erstveröffentlicht am 9. Mai 2010
Gestern habe ich im Fernsehen, auf 3sat in einem Kinomagazin einen kurzen Beitrag über David Lynch gesehen. Dort wurde gezeigt, daß der amerikanische Filmregisseur, der unter anderem mit Twin Peaks sowie Blue Velvet eindrucksvolle Werke vorgelegt hat, meditiert – und der Lehre eines Gurus folgt.
Selten konnte man so dicht die wesentlichen Mißverständnisse, Verdächtigungen und tatsächlichen Fehlentwicklungen beim Neben- oder Gegeneinander von spiritueller und materieller Welt verfolgen.
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Da war David Lynch, der ziemlich genau weiß, was er tut.
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Da war ein unbekannter Regisseur, der sich in der Sicherheit einer materiellen Weltsicht bewegt und ohne wirklichen Einblick in das Geistige die spirituelle Welt als naiv abwertet. Er war erst Bewunderer des ersten – und später verbitterter Kritiker.
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Da war der deutsche Vertreter der Sekte des Gurus – dieser wurde bei einem Vortrag und bei einem Ritual gezeigt.
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Da war eine aggressive Frau aus dem Auditorium, die diesen deutschen Vertreter beschimpft hat.
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Und der Guru selbst, der die Meditation begründet hat und den Lynch verehrt, wurde mit älterem Filmmaterial vorgestellt – er ist schon tot.
Im Prinzip geht es um das folgende: Der Guru war jemand, der auf eine relativ hohe Stufe in Matrix 4 zugreifen konnte – und erkannt hat, daß sich die Aura eines Menschen durch bestimmte Techniken beeinflussen läßt. Unter anderem durch Meditation.
Er hat auch erkannt, daß der Zustand dieser Aura (bzw. des Schwingungsfelds des Gehirns) ganz wesentlich den Gang der Dinge beeinflußt. Die Aura kann Aggressionen auslösen, aber sie kann aber auch Aggressionspotentiale vermindern und sogar löschen. Um letzteres ging es dem Guru.
Er wollte eine Welt schaffen, in der es nicht mehr mölich ist, Aggressionen beim Gegenüber unterzubringen, indem alle Resonanzen, die in diese Richtung gehen, ausgelöscht werden. (Daß das grundsätzlich nicht geht, solange man in der materiellen Welt lebt, war dem Guru nicht zugänglich – das liegt daran, daß er nur bis zu Matrix 4 und nicht bis zu Matrix 5 denken und wahrnehmen konnte.)
Da David Lynch ein kluger Mensch ist, wurde er wie manche andere Künstler von der Lehre dieses Gurus angezogen und hat bei sich selbst auch die positive Wirkung der Meditation erfahren.
Sie schaltet das Gehirn in einen anderen Zustand, in dem nicht nur die Gelassenheit steigt, sondern auch die Kreativität gesteigert wird. (Mediziner kennen die Unterscheidung zwischen dem Normalbewußtsein, bei dem beta-Wellen im EEG erscheinen und den alpha-Wellen, die zum Beispiel beim kreativen Traumgeschehen oder in der Entspannung sichtbar sind. Die Effekte der Meditation gehen noch weiter.)
Jetzt zu dem, was konkrekt geschah: David Lynch wollte diese Chance (zu einem in seinen Augen mölichen besseren Leben) anderen Menschen vermitteln und folgte deshalb der Einladung zu einer Veranstaltung dieser Sekte, bei der diese ihre Ziele vermitteln wollte. Der deutsche Vertreter hielt einen Vortrag, der aber nicht zum Ziel führte. Statt Menschen zu gewinnen, die dem Guru folgen, wurde er ausgepfiffen und angegriffen. Eine Frau beschimpfte ihn als Scharlatan.
Selbst dem wohlwollenden Beobachter muß aufgefallen sein, daß dieser Vertreter eher einem Clown als einem König (als das bezeichnete er sich selbst) ähnelte. Der geschulte Beobachter konnte sehen: Dieser Mann war nicht im entferntesten so weit, daß er andere hätte anleiten können oder daß er mit seiner Aura etwas zum Positiven verändern könnte. Seine eigenen Schattenaspekte waren nicht im geforderten Maß bearbeitet, eigentlich gar nicht, sie waren abgespalten.
Was konnte man noch sehen: Die Frau, die den deutschen Vertreter der Sekte angriff, war ein Spiegel seines unbearbeiteten Schattens. Voller Wut und Ablehnung zerfetzte ihre aggressive Aura seine aggressionsgehemmte Aura förmlich. Er fing dann auch an mit Ticks zu regieren. Sein Augenlid zuckte.
David Lynch versuchte die Situation zu retten und auf das Brauchbare an der Botschaft des Gurus hinzuweisen. Anders als der „König“ hatte der Regisseur und Anhänger wirklich ein Stück weit die Fähigkeit, Ruhe zu erzeugen. Die Seele von David Lynch ist wesentlich weiter entwickelt und nicht nur durch Abspaltung von Eigenschaften in einem fragilen Scheingleichgewicht.
Der Bericht zeigte später auch ein Ritual, bei dem eine magische Anrufung durchgeführt wurde, die Deutschland unbesiegbar machen sollte. Man kann hier nichts anderes sagen als, daß hier „das irrsinnige Ritual eines irrigen Vertreters eines irrigen Gurus“ sattfand.
Spätestens hier wurde klar, worunter viele Sekten und Glaubenslehren leiden: Schon in der ersten Generation der Anhänger und Vertreter wird weder die Lehre verstanden noch werden die Anforderungen erfüllt, die der Guru selbst erfüllt hatte. Die Lehre ist in die Niederungen der Möchtegerns und der Machterhaltung abgerutscht.
Dennoch: Es ist nicht redlich, wegen dieses „Zaun-Königs“ die ganze spirituelle Welt abzulehnen. Es ist schon richtig, daß dieser nichts drauf hat. Aber richtig ist auch, daß wir von weiten Teile der Lehre des Gurus etwas lernen können über den Aufbau der Welt. Dazu wollte David Lynch einen Beitrag leisten. Diese Differenzierung gelang dem Bericht nicht. Hier wurde vom Narren auf das Königreich geschlossen und damit fertig.
Der Sender hat seine Informationspflicht nicht erfüllt und ist in der oberflächlichen Darstellung geblieben, in der ganz wesentlich ein Kleiner einem Großen ans Bein pinkeln durfte, weil er sich beleidigt fühlte. Schade.
Zusammengefaßt sahen wir:
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eine spirituelle Lehre, die nicht stimmt, aber nicht ganz falsch ist
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den Hinweis auf die Existenz einer geistigen Welt, der stimmt
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den Hinweis, daß der Geist die Materie und die Vorgänge in ihr beeinflußt, dieser stimmt auch
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eine materielle Weltsicht, die sich über die spirituelle stellt, das stimmt nicht nur nicht, es ist auch überheblich
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einen Vertreter einer geistigen Lehre, der die Lehre des Gründers nicht versteht
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einen Vertreter einer geistigen Lehre, der die Anforderungen nicht erfüllt und wesentliche Teile seiner Seele abspaltet
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eine auf den Vertreter gerichtete Aggression, die seinen Schatten aufzeigt
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diese Aggression wird auf das Spirituelle generalisiert, obwohl sie wesentlich nur den Vertreter treffen müßte – und berechtigt treffen muß
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einen Guru, der glaubt, das Gute zu schaffen – und wegen der mangelnden geistigen Durchdringungstiefe seiner Lehre doch nur das Gegenteil bewirkt
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einen Star, dem es geht wie dem Guru
Soweit ich gehört habe, kann man die Sendung als podcast herunterladen.
Damit man das nicht falsch versteht: Sowohl die Aufhängung der Lehre, als auch die Lehre selbst – einschließlich ihrer Werkzeuge (Meditation, Rituale) und mehr noch der Aufbau der Sekte sind kritisch zu hinterfragen. Ich selbst sehe keine Gründe, ihm, ihr oder ihnen zu folgen. Es gibt Weisheits- und Erfahrungslehren, die weniger und vielleicht sogar keine Fehler haben.
