An meinem Büro-VW-Bus hat mich ein Pärchen schräg angesprochen, was denn die Aufschrift bedeute: ethereallabs.eu. Die Art der beiden war erkennbar aufgebläht.
Ich habe mir angewöhnt, solche Menschen gleich zu frustrieren – und sagte: “Na, Englisch können Sie auf jeden Fall nicht.” “Nein,” sagte der Mann, “aber können Sie spanisch?” Ich sagte dann einen Satz auf Spanisch (von dem er nicht merkte, daß er nicht mehr als Urlaubsspanisch war) und dann kam er mit der Frage, ob ich Japanisch könne. Ich sagte: “Nein, kann ich nicht, aber die japanische Kultur sei sehr interessant und sprach dann über die Verbindung der japanischen Weisheitslehre mit der europäisch-druidischen, um so auf die Bedeutung und das Heilige der “ethereallabs” zu kommen.
Er hatte nichts verstanden. Das war sehr klar geworden. Das Gespräch ging dann noch weiter und er und sie sonderten Gemeinplätze und Anekdoten, verbunden mit fordenden Rationalisierungen, warum, was sie tun und sind, richtig sei und das, was andere tun, falsch.
Ich möchte da nicht im einzelnen drauf eingehen, sondern auf die bemerkenswerte Visitenkarte, die mir der Besucher gab. Da stand drauf Zen-Meister. Und etwas von Tee-Zeremonie usf.
Dieser Mensch hatte die einfachsten Weisheitslektionen nicht verstanden – und ging mit einem Meister-Titel hausieren. (Er posaunte auch noch ins Blaue, seine Frau sei ebenfalls Zen-Meisterin.)
Grausig. Und doch auch wieder erwartungskonform: Wenn jemand in unserer Zeit eine andere Weisheitskultur nachahmt, äfft er doch nur Unverstandenes nach und stolpert unaufrichtig und unaufgerichtet in Schuhen daher, die um mehrere Nummern zu groß sind.
Meine Begleitung sagte: “Das war ja ein Schwätzer. Der war doch kein Zen-Meister.” Wie ein Zen-Meister in einem früheren Leben wirke der Herr H. und der spräche in diesem Leben kein Wort von Zen oder Ritualen, aber er lebe auf eine besondere Weise aufrichtig.
“Ja”, sagte ich: “Der Visitenkarten-Meister war ein Afterbild des Weisen. Mehr war der nicht: Halbwissen, gepaart mit Selbstüberschätzung. Und Herrn H. schätze ich ganz anders ein: Weisheit, verbunden mit Demut. In ihm wirkt im Stillen Asiatisches an einem überkulturellen großen Werk.
Ich war froh, als die beiden gingen – und gab ihnen noch mit, daß es sich lohne, an sich zu arbeiten.