Wer sich mit Weisheitslehren beschäftigt, findet im Osten* wie im Westen geistreiches. Mit etwas Weitsicht lassen sich die Bedeutungen der beiden hier betrachteten Symbole nicht nur erfassen, sondern sogar zusammenbringen.
Das Taiji-Symbol sagt, daß ein duales, polares und doppelt verschränktes Prinzip aus Lichtem und Dunklem (Yang und Yin) die Welt erschafft. Doppelt verschränkt ist es zum einen, weil das warme Lichte und das kalte Dunkle die Schöpfung zusammen hervorbringen, und zum anderen, weil das Dunkle Licht enthält das Lichte auch Dunkelheit.
Auch das Sator-Quadrat ist ein Symbol für die Schöpfung. Aus dem abstrakten Prinzip des Ostens wird im Westen ein personales: Ein Schöpfer hält das Schöpfungsrad in Schwung. Zahlreiche Gerüchte umgeben das magische Zeichen. Wer ist dieser Schöpfer? Hat er etwas mit dem Saturn zu tun, oder sogar mit Satan? Im Spannungsfeld von Gut und Böse, von Nosferatu bis Paternoster, gibt es zahlreiche Verortungs- und Bewertungsversuche für den Ursprung unseres Seins. Wer mit zusätzlichem Hintergrundwissen, das über die Vorstellungswelten des Daoismus und der mittelalterlichen Lehren Europas hinausreicht, an diese Frage herangeht (zum Beispiel mit tieferen Kenntnissen von Gnosis und Kabbala), der kann die folgende Verbindung weisheitshistorisch konstruieren. Das wird er vor allem dann tun, wenn er sie auch wahrnehmen kann (wie immer er das macht):
Ein Demiurg, ob er Saturn oder Arepo oder Satan oder Saklas (oder sonst wie) heißt, kann als Ursprung einer überdauernden Schöpfungsdynamik verstanden werden, die Licht aus höheren Ebenen in niedrigeren Ebenen einschließt, um dort eine belebte Welt entstehen zu lassen.
Die demiurgische Schöpfung wendet folgende Manipulation an: Das Dunkle wird durch einen verborgen dem Lichten entzogenen Energie-Anteil am Leben gehalten. Und das Lichte wird durch einen verborgen “implantierten” dunklen Anteil davon abgehalten, wirklich lichthaft zu sein und zu wirken.
Anders als die Vorstellung vieler Esoteriker und Konfessionen, daß irgendwann einmal das Licht die Dunkelheit besiegen wird, erzeugt das manipulierte System in Wahrheit die ewige Wiederkehr von Bemühung und Scheitern, die doch nur die dunkle Schöpfung des Demiurgen antreibt und erhält. Er spannt die Lebewesen ein in sinnliche und doch sinnlose Wirklichkeiten: Die Lehren Plotins oder der Katharer berichten uns von dem Einschluß der Seele im Körper, der nur aufhören wird, wenn die Seele endgültig aus der körperlichen Ebene herausfindet.
Ich möchte diesen Beitrag nicht schließen ohne eine Verbindung herzustellen zwischen der Lehre Origins (über Engel und Menschen) und einer weiteren sinnvollen Interpretation des Taiji-Zeichens.
Wir können uns das Yin vorstellen als 95% Dunkelheit und 5% Licht. Und als typisches Mischungsverhältnis im Menschen. Beim Yang hingegen dreht es sich um: 95% Licht werden durch 5% Schmutz verdunkelt. Das wäre zum einen die Verteilung beim inkarnierten Engel und zum anderen auch die für einen Menschen höchste erreichbare Stufe.
Erleuchtungserlebnisse wie sie beispielsweise für Buddha berichtet werden, wären demnach nicht nur ein Wechsel vom Yin ins Yang, sondern auch ein Aufstieg vom Menschen zum Engel (die Vorstellung, daß so etwas mölich ist, findet sich nicht nur beim “Ketzer” Origin, sondern auch offiziell in der katholischen Kirche.)
Aber es ist eben noch kein Entrinnen aus dem demiurgischen Sektor: Auch der Yang-Engel hat, solange er inkarniert ist, den dem eigenen Bewußtsein verbogenen dunklen Fleck in der Seele, der dazu führt, daß er auch als Engel das Falsche tut – und immer noch im Dienst des dunklen Schöpfers steht.
Es ist sicher erlaubt, darüber nachzudenken, ob nicht die Verstrickung des Buddha in eine Mitgefühlslehre nicht genau ein Mittel ist, erstens den Buddha im System festzuhalten und zweitens durch Überforderung der buddhistischen Gemeinde Einstellungen und Verhalten zu erzeugen, die wiederum das verdammte Rad der verkehrten Schöpfung weitertreiben.
Diese Überlegungen sollte man nicht nur bei Fremdreligionen anstellen, sondern ebenso für die eigene. Also auch über Jesus und die verschiedenen Formen des konfessionellen europäischen Christentums. In allen Fällen sollten die folgenden Forderungen unumstößlich gelten: Keine Denk- oder Wahrnehmungsverbote – und kein Versuch aus Schatten und Abwehr heraus die Wahrheit zu unterdrücken. Nur so kann das Sator-System erkannt und mölicherweise auch verlassen werden.
* Aber nicht im indischen Yoga und Veda.
Randbemerkung: Ich bin manchmal erschreckt, mit wie viel Dummheit ein Schulwissenschaftler geschlagen sein muß, wenn er auf einem Modell wie dem Big-Bang aufsetzt und mit dieser Theorie die Fragen der Weisen und Betrachtungen wie diese vom Tisch fegt. Er erkennt weder, daß sein Modell genau so wenig vorstellbar ist – noch, was schlimmer wiegt, daß die Kosmogonien der Weisen das Modell des Urknalls umschließen.