Im Spiegel (vor)letzter Woche kam ein entwarnender Beitrag über die Sexualität von Jugendlichen. Der Tenor geht etwa in diese Richtung: Trotz Internet und trotz Konsum von Pornographie sei bei jungen Menschen keine Entwertung von Intimität und Zärtlichkeit festzustellen.
Es ist nicht besonders klug und nicht besonders verantwortlich, Aussagen, die in diese Richtung gehen, zu machen. Denn wer auch nur ein wenig in vollständigen Kausalitätsmustern denkt, weiß, daß das erstens nicht so ist und zweitens auch nicht so sein kann.
Aber kommen wir zum eigentlichen: Sexualität ist eine Schwachstelle im menschlichen seelischen System, und es ist sehr selten, daß es eine Seele schafft, in eine völlig gesunde Form hineinzufinden: Im Spannungsfeld von Verdrängung bis Überwertigkeit entstehen Erregungen, Gefühle und Frustrationen, die nicht so leicht einzuordnen sind.
Der Umgang mit Sexualität war jahrhundertelang gespalten, interindividuell wie intraindividuell.
Und sie ist es noch: die Menschheit als Ganze kennt verschiedene Gruppen, die ganz auf sie verzichten – und Gruppen, die sie zum Lebensmittelpunkt machen, es gibt Zeiten und Zustände, in denen die Angst vor der Geilheit aufgehoben ist und andere, in denen jede Form von sexueller Konnotation streng vermieden wird.
Eine Trennung ist manchmal sinnvoll und manchmal nicht. Das Zeichen darauf, daß es nicht sinnvoll ist, ist die Spaltung: Sowie im Erleben und Verhalten etwas, das eigentlich da ist, abgespalten wird – statt ordnend zur Seite geschoben, im Bewußtsein, daß man das gerade tut, ist eine Wertung als falsch berechtigt. Diese Spaltung finden wir in den meisten Fällen.
Natürlich kann man sagen, daß Sexualität deshalb so schwierig geworden ist, weil sie Konsequenzen hat. Sie hat das Risiko unerwünschter Nachkommen – und sie bindet die Eltern über lange Zeiträume an Versorgungspflichten. (Ich kenne natürlich die parental investment theory der Sozialpsychologie).
Aber das ist ja nicht richtig: Es gibt Formen von sinnlicher Begegnung, die Nachkommen ausschließen – und die sind der Menschheit schon seit Jahrtausenden bekannt. Die Hemmungs-Enthemmungs-Spaltung muß andere Gründe haben.
Ich habe in diesem Zusammenhang bereits berichtet, daß aus vollständiger spiritueller Perspektive betrachtet, der Einfluß des gefallenen Engels Gabriels auf das Sexualerleben und -verhalten der Menschheit als sehr problematisch bewertet werden muß.
Wer nicht ganz so weit sieht und denkt, kommt auf ein ähnliches Problembewußtsein – und erkennt die katholische Kirche und ihre Sexualmoral als Ursache für gesellschaftliche sexuelle Fehlentwicklungen. Gabriel als Ursache zu sehen, bedeutet nur, die Ursachenkette zu erweitern und alle beteiligten Dimensionen einzubeziehen.
Sexualität kann überhaupt nur dann ganz gesund sein, wenn wir wissen, was sie macht: Wissen, daß ihr letztes und eigentliches Ziel die liebevolle Kommunikation zwischen zwei Seelen ist. Die Wirkung der körperlichen Vereinigung ist ganz wesentlich eine Wirkung der eigenen Aura auf die Aura des anderen und umgekehrt. Bei wahrer Sexualität finden dort Prozesse statt, die heilsam sind befreiend – und beide Seelen wachsen lassen.
Ganz anders, wenn Geilheit und Beliebigkeit die Ursache für eine Kopulation sind. In einer solchen Situation nimmt die Seele schaden – Umberto Eco hat von einer der schädlichen Auswirkungen im „Namen der Rose“ berichtet: „post coitum omne animal triste est“. Die Schädigung von Aura und Seele kann aber noch viel weiter gehen – die Aura kann aufgerissen werden oder energetisch verschmutzt – das geht bis hin zum Eindringen negativer Wesenheiten.
Aber wir müssen keine Angst vor Sexualität haben. Auch, wenn von der katholischen Kirche bis hin zu dubiosen Sex-Gurus falsche Formen von Sexualität oder Asexualität gepredigt werden, gibt es sie – die heilige Form des „Miteinander Wegfliegens“ (ein Bild der Inuit), die Form bei der Feuer und Licht, also Erregung und Liebe eins sind – und bei der die beiden Beteiligten wirklich verschmelzen und eins werden – nicht nur miteinander, sondern auch mit Gott.
Das wird vielleicht nicht immer so sein, doch jede tatsächliche sexuelle Begegnung sollte ein Schritt auf dieses eine Einssein sein. Dann sind Menschen und ihre Sexualität auf dem Weg zum Heiligen.
Ergänzung der spirituellen Betrachtung: Dadurch, daß Gabriel über viele Jahrhunderte die Sexualität der Menschen unterdrückt hat, hat er sie jetzt ‘dialektisch’ in die Hände von Satan gespielt: Unter dessen verborgener Anleitung wird, was vorher falsch vermieden wurde, jetzt falsch (und noch schlimmer) ausgelebt. Der Spiegel sieht das nicht, er bleibt in einer materiellen Sichtweise stecken. Deshalb ist der Artikel auch grundfalsch.
Verankerung: Verschiedene weitentwickelte Seelen berichten davon, daß der Sexualtrieb, wie man ihn gemeinhin kennt, verschwindet, wenn man die Aura geklärt hat. Sie beschreiben den Triebdruck mit seinem Anspruch auf Abfuhr als eigentliche Fehlentwicklung der Energieflüsse in der Aura.
Der Stau im zweiten Chakra (der den Triebdruck aufbaut) ist bei ihnen aufgelöst – und sie lassen die Energien weiter nach oben und in die gesamte Aura fließen. So wird aus etwas Einschränkendem etwas Befreiendes.
Und wenn solche Entwickelte auf „den Menschen“ treffen, den ihre Seele meint, dann kann die körperliche Begegnung, wenn sie denn stattfindet, aus der ganzen Seele heraus und mit der ganzen Aura erlebt werden. Das ist nicht nur viel schöner – sondern auch noch wahr – und das Bild der Inuit trifft zu.